ADHS-Therapie

Stimulanzien (z.B. Methylphenidat)
Nach Ziffer 44 Anlage III der Arneimittelrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses sind Stimulantien von der Erstattungsfähigkeit durch die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen. Ausgenommen hiervon sind Verordnungen von Stimulantien für Kindern (ab 6 Jahren) und Jugendlichen mit Hyperkinetischer Störung bzw. Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung (ADS / ADHS) im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben. Die Diagnose darf sich nicht allein auf das Vorhandensein eines oder mehrerer Symptome stützen (Verwendung z. B. der DSM-IV Kriterien). Die Arzneimittel dürfen nur von einem Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und/oder Jugendlichen verordnet und unter dessen Aufsicht angewendet werden. In Ausnahmefällen dürfen auch Hausärztinnen/Hausärzte Folgeverordnungen vornehmen, wenn gewährleistet ist, dass die Aufsicht durch einen Spezialisten für Verhaltensstörungen erfolgt.
Der Einsatz von Stimulantien ist im Verlauf besonders zu dokumentieren, insbesondere die Dauertherapie über 12 Monate sowie die Beurteilung der behandlungsfreien Zeitabschnitte, die mindestens einmal jährlich erfolgen sollten.
Quelle: Ziffer 44 Anlage III AM-RL des G-BA

Atomoxetin
Psychostimulantien stellen die Mittel der ersten Wahl in der ADHS-Behandlung dar, in Deutschland in erster Linie Methylphenidat in nicht retardierter oder bei Bedarf in retardierter  Form. Es gibt keinen Anhalt dafür, dass Atomoxetin die Symptome der ADHS effektiver reduziert oder nebenwirkungsärmer ist als andere medikamentöse Therapien. Atomoxetin kann in seltenen Fällen suizidales und aggressives Verhalten begünstigen oder auslösen.
Quelle: KBV - Wirkstoff aktuell zu Atomoxetin  

Lisdexamfetamindimesilat
Lisdexamfetamindimesilat ist im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störungen (ADHS) bei Kindern ab einem Alter von sechs Jahren indiziert, wenn das Ansprechen auf eine zuvor erhaltene Behandlung mit Methylphenidat als klinisch unzureichend angesehen wird.
Für Lisdexamfetamindimesilat ist kein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie belegt. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde bei einem zuvor unzureichenden Ansprechen auf Methylphenidat Atomoxetin herangezogen.
Quelle: Beschluss des GBA zur Nutzenbewertung von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen nach § 35a SGB V – Lisdexamfetamindimesilat

Präparateauwahl
Es sind vorzugsweise - unter Beachtung ggf. bestehender Rabattverträge - generisch verfügbare Präparate zu verordnen.
Sollte eine reine Wirkstoffverordnung erfolgen, trägt der Apotheker die Verantwortung für die Auswahl des im jeweiligen Fall wirtschaftlichen Präparates.
Die Wirtschaftlichkeit der Wirkstoffauswahl bleibt aber auch in diesem Falle weiterhin in der Verantwortung des verschreibenden Arztes.

Verordnungsmenge
Nach den Vorgaben der Arzneimittel-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses ist vor jeder Wiederholung einer Verordnung von Arzneimitteln zu prüfen, ob diese erforderlich ist und ob die verordnete Menge mit der vorgesehenen Anwendungsdauer übereinstimmt; dabei ist insbesondere auf Arzneimittelmissbrauch, -gewöhnung oder -abhängigkeit zu achten.
Die in der Fachinformation der entsprechenden Fertigarzneimittel angegebenen Tageshöchstdosen sind Teil der Zulassung. Eine Dosierung über diese Dosen ist somit ein Off-Label-Use. Dieser stellt nur in Einzelfällen eine Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung dar.