Wirtschaftliche Verordnungsweise von Rezepturarzneimittel

Verordnungsfähigkeit zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung Verordnungsfähigkeit von Rezepturen zur Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich insbesondere nach den enthaltenen Wirkstoffen. Eine Rezeptur aus nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, für welche auch keine Ausnahme in der Anlage I der Arzneimittel-Richtlinie genannt ist, ist in der Regel ebenfalls nicht verschreibungspflichtig und damit für Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahren ohne Entwicklungsstörung nicht erstattungsfähig. Eine Übersicht über die Verschreibungspflicht häufig verwendeter Rezeptur-Ausgangssubstanzen findet sich hierauf der Homepage der KVBW veröffentlicht.

Liegt für Inhaltsstoffe der Rezepturen ein Verordnungsausschluss gemäß Anlage III der Arzneimittel-Richtlinie vor, gilt dieser Ausschluss auch für die Rezeptur. Es gilt somit grundsätzlich, dass eine Rezeptur aus nicht-verordnungsfähigen Substanzen nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden darf. Eine „Umgehung“ des Verordnungsausschlusses per Rezeptur ist nicht möglich. Dies gilt insbesondere z.B. auch für:

• nicht verordnungsfähige Arzneimittel (z.B. Lifestyle-Arzneimitteln)
• nicht apothekenpflichtige Arzneimittel und Nichtarzneimittel
• nicht verordnungsfähige Medizinprodukte
• Kosmetika
• Arzneimittel im Off-Label-Use
• Import-Arzneimittel
• bedenkliche Arzneimittel

Wird die Zulassung eines Arzneimittel eingeschränkt, gilt diese Einschränkung auch für Rezepturen, welche dieses Arzneimittel enthalten, auch wenn Rezepturen explizit keiner Zulassung bedürfen.

Preisbildung bei Rezepturen
In der Apotheke werden die Preise, die mit der jeweiligen Krankenkasse oder dem Patienten abzurechnen sind, individuell für jedes Rezepturarzneimittel taxiert. Gemäß der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) werden auf die Apothekeneinkaufspreise der verwendeten Stoffe und / oder Fertigarzneimittel sowie auf das notwendige Gefäß und Verpackung 90 % Festzuschlag berechnet. Hinzu kommt ein Rezepturzuschlag, der beispielsweise bei Salben bis zur Grundmenge von 200 g fünf Euro beträgt. Am Ende wird die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 % zugerechnet.

Aufgrund des 90%igen Festzuschlag auf den Apothekeneinkaufspreis für verwendete Rezepturstoffe, bzw. Fertigarzneimittel, sind Rezepturen die als Bestandteil ein Fertigarzneimittel enthalten, aufgrund der zumeist höheren Einkaufspreise für Fertigarzneimittel oftmals deutlich teurer.
Sofern möglich sollte daher eine Wirkstoffverordnung bevorzugt werden.

Ist dennoch die Verwendung eines Fertigarzneimittels in einer Rezeptur notwendig, ist vorab zu überprüfen, welche Packungsgrößen des Fertigarzneimittels auf dem Arzneimittelmarkt zur Verfügung stehen, um so unwirtschaftliche Verwürfe zu vermeiden.
Quelle: Verordnungsforum Nr. 31 der KVBW