1. Hintergrund

1. Hintergrund

1.1 Prävalenz und Altersabhängigkeit

Die aktuelle NVL S3 Leitlinie Typ-2-Diabetes gibt die 12-Monatsprävalenz in der Altersgruppe unter 45 Jahren für beide Geschlechter mit unter 3,5% an. Mit zunehmendem Alter steigt diese und erreicht das Maximum in der Altersgruppe von ≥ 80 Jahren (Frauen 17,9%, Männer 22,3%). In der Altersspanne von 45 bis 64 Jahren berichtet fast jede zehnte und ab 65 Jahren jede fünfte Person von einem bekannten Diabetes mellitus. 
Die Prävalenz einer gesicherten Diabeteserkrankung ist nach Auswertungen des Robert Koch-Instituts innerhalb der letzten Dekaden gestiegen. Auch für die kommenden Jahre ist mit einer steigenden Prävalenz zu rechnen [1].
 

1.2 Versorgungssituation

Der Qualitätsbericht der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) aus dem Jahr 2023 wertet die Daten aus dem DMP Typ-2-Diabetes Programm für den Bereich der KVBW aus. Demnach waren zwischen 72 und 85 % der von dieser Erkrankung in Baden-Württemberg betroffenen und gesetzlich Krankenversicherten in das DMP Typ-2-Diabetes eingeschrieben. Die Betreuung erfolgte überwiegend (83%) in hausärztlichen Praxen. 71,5% aller Patientinnen und Patienten im DMP wurden medikamentös antidiabetisch behandelt. Rund ein Drittel der Betroffenen erhielt im Jahr 2023 keine antidiabetische Medikation (28,5 %). Mit Insulin/Insulinanaloga wurden 20,1 % behandelt. Der HbA1c-Zielwert wurde bei 64,2 % der Betroffenen erreicht und der HbA1c-Wert war bei 92,4 % ≤ 8,5 % (69 mmol/mol). Schwere Hypoglykämien und eine stationäre Diabetesbehandlung wurden in 99,6 % der Fälle vermieden [2]. 
 

1.3 Begleiterkrankungen und Folgekomplikationen

Menschen mit Diabetes sind häufiger von Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Depressionen betroffen und zeigen in Studien im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes eine 1,4- bis 1,9-fach höhere Prävalenz [3].
Weitere diabetesspezifische Komplikationen sind die diabetische Neuropathie, diabetische Fußläsionen, die diabetische Nephropathie und die diabetische Retinopathie.