Therapie des Typ 2 Diabetes

Glitazone
Glitazone (Pioglitazon und Rosiglitazon) sind gemäß Ziffer 49 Anlage III der Arzneimittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 von der Verordnung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen.
Eine Verordnung kommt ausnahmsweise nur in besonders zu begründenden, medizinischen Einzelfällen in Betracht.
Quelle: Ziffer 49 Anlage III AM-RL

Glinide
Glinide haben eine den Sulfonylharnstoffen ähnliche Wirkung. Der Wirkungseintritt ist jedoch rascher und die Wirkungsdauer kürzer. Die Nebenwirkungen der Glinide sind denjenigen der Sulfonylharnstoffe (Hypoglykämien, leichte Gewichtszunahme) ähnlich. Hinsichtlich des Auftretens von Hypoglykämien, Gewichtszunahme, Lebensqualität und Therapiezufriedenheit findet sich kein gesicherter Vorteil gegenüber Vergleichsmedikamenten. Sie sind deshalb als Langzeittherapie des Typ-2-Diabetes nicht vorteilhaft gegenüber Sulfonylharnstoffen und ihr Einsatz kann derzeit nur in Ausnahmen (z. B. Unverträglichkeit von Vergleichsmedikamenten) empfohlen werden.
Quelle: Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes

Zum 1. Juli 2016 tritt eine Verordnungseinschränkung für Glinide nach Anlage III der Arzneimittel-Richtlinie in Kraft. Demnach sind Glinide zukünftig zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 von der Verordnung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen. Verordnungsfähig sind lediglich Repaglinid zur Behandlung von niereninsuffizienten Patienten mit einer Kreatinin-Clearance < 25 ml / min, soweit keine anderen oralen Antidiabetika in Frage kommen und eine Insulintherapie nicht angezeigt ist.
Quelle: Beschluss des G-BA über eine Änderung der AM-RL: Anlage III – Übersicht der Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse: Glinide zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2

SGLT2-Inhibitoren (Gliflozine)
Dapagliflozin und Empagliflozin wirken als SGLT2-Inhibitoren antihyperglykämisch durch Hemmung der renalen Glukosereabsorption. Sie sind zugelassen für die Monotherapie bei Unverträglichkeit / Kontraindikationen von Metformin sowie in Kombination mit anderen antihyperglykämisch wirkenden Substanzen inklusive Insulin.

Erkenntnisse zum Nutzen bezüglich der Wirkung auf klinische Endpunkte liegen für SGLT2- Inhibitoren nicht umfassend vor. Die antihyperglykämische Effektivität ist abhängig von der Nierenfunktion. Bei Nierenfunktionseinschränkung (eGFR < 60 ml/min/1,73 m²) wird der Einsatz wegen nachlassender Effektivität nicht mehr empfohlen. Des Weiteren ist die gleichzeitige Gabe von Schleifendiuretika kontraindiziert.
In den Zulassungsstudien traten unter SGLT2-Inhibitoren Karzinome der Harnblase, der Mamma und der Prostata numerisch häufiger auf.
Quelle: Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes;

GLP-1-Rezeptorgonisten (Inkretinmimetika, GLP-1-Analoga)
Die antihyperglykämische und gewichtsreduzierende Wirkung von Exenatide und Liraglutid ist gut belegt. Langzeitdaten aus randomisierten kontrollierten Studien zu klinischen Endpunkten (diabetische Komplikationen, kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität) und Sicherheit liegen nicht vor.
Der Einsatz kann erwogen werden, wenn mit oralen Antidiabetika oder auch mit einer Basalinsulintherapie keine ausreichende Plasmaglukosesenkung erreicht werden kann und zudem eine starke, durch nichtmedikamentöse Maßnahmen nicht zu beeinflussende Adipositas (BMI > 30 kg/m2) oder ein deutlicher Gewichtsanstieg (> 6 kg innerhalb von sechs Monaten) oder eine ausgeprägte Hypoglykämieneigung unter Insulingabe die Behandlung erschweren.
Quellen: Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes und  KBV – Wirkstoff aktuell zu Liraglutid 

Beachten Sie bezüglich der Verordnung von Exenatide auch den Therapiehinweis des Gemeinsame Bundesausschusses insbesondere die Empfehlungen zur wirtschaftlichen Verordnungsweise. Demnach sollte der Einsatz von Exenatide Typ-2-Diabetikern vorbehalten bleiben, bei denen unter Ausschöpfung einer Therapie mit oralen Antidiabetika eine adäquate Blutzuckerkontrolle nicht erreicht werden konnte und die klinischen Befunde bei massivem Übergewicht (BMI > 30) vorrangig für eine Insulinresistenz sprechen, sodass bei Zugabe von Insulin mit einer weiteren Gewichtszunahme und hohen Insulindosierungen zu rechnen ist.
Quelle: Anlage IV AM-RL: Therapiehinweise zur wirtschaftlichen Verordnungsweise von Arzneimitteln

Verordnung von Blutzuckerteststreifen
Harn- und Blutzuckerteststreifen sind nach Ziffer 52 Anlage III der Arzneimittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, die nicht mit Insulin behandelt werden, von der Verordnung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen. Ausnahmen bilden Patienten mit instabiler Stoffwechsellage. Diese kann gegeben sein bei interkurrenten Erkrankungen, Ersteinstellung auf oder Therapieumstellung bei oralen Antidiabetika mit hohem Hypoglykämierisiko. Grundsätzlich können dann je Behandlungssituation zeitlich limitiert bis zu 50 Teststreifen verordnet werden. 
Quelle: Ziffer 52 Anlage III AM-RL