Behandlung von chronischen Wunden

Die Wundheilung stellt einen körpereigenen Vorgang dar und kann daher durch ärztliche Maßnahmen nur insofern beschleunigt werden, als dass innere oder exogene hemmende Einflüsse beseitigt werden. Primär sollten die Erkrankungen behandelt werden, welche die Ulzeration auslösen. Die lokale Wundtherapie soll eine ungestörte Wundheilung ermöglichen. Eine optimierte kausale Therapie und eine die Wundheilung nicht störende (z.B. durch Traumatisierung des Wundbettes) Wundauflage reichen in der Regel aus, um die Wundheilung anzuregen und das Ulkus zum Abheilen zu bringen. So konnte in den vorhandenen Studien keines der untersuchten Materialien (Alginat, Schaumstoff, Acrylat, Hydrokolloid, Hydrofaser, feuchte Kompresse, Gaze) gegenüber anderen Materialien einen Vorteil für die Wundheilung nachweisen.
Der Einsatz sollte daher je nach Erfordernissen der Wundsituation, den Zielen des Patienten und anhand der physikalischen Möglichkeiten sowie den Grenzen des verwendeten Materials erfolgen.
Quelle: S3- Leitlinie: Lokaltherapie chronischer Wunden bei den Risiken CVI, PAVK und Diabetes mellitus

Verbandwechsel / Verordnungsmenge
Wundauflagen zur phasengerechten, feuchten Wundbehandlung sind oftmals zum längeren Verbleib auf der Wunde konzipiert und benötigten diesen dauerhaften Wundkontakt um ihre Wirkung entfalten zu können. Ist eine Verbandwechselfrequenz notwendig, die eine ausreichende Verweildauer der Wundauflagen auf der Wunde nicht ermöglicht, kann die Verwendung dieser teuren Wundauflagen als unwirtschaftlich angesehen werden.

Präparateauswahl: Silberhaltige Wundauflagen
Anhand der vorliegenden Studien können keine belastbaren Aussagen zum Nutzen oder Schaden der Therapie mit Silber im Hinblick auf die Wundheilung getroffen werden. Es gibt Hinweise aus In-vitro-Studien, dass Silber zwar wirksam gegen Bakterien ist, sich aber auch schädlich auf die Wundheilung auswirken kann (zytotoxische Wirkung). Aufgrund möglicher Resistenzentwicklung sollte Silber nicht länger als drei Wochen ununterbrochen eingesetzt werden.
Quelle: S3- Leitlinie: Lokaltherapie chronischer Wunden bei den Risiken CVI, PAVK und Diabetes mellitus

Präparateauswahl: Ibuprofenhaltige Wundauflagen
Anhand vorliegenden Studien können keine belastbaren Aussagen zum Nutzen oder Schaden der Therapie mit ibuprofenhaltigen Schaumstoffauflagen getroffen werden.
Quelle: S3- Leitlinie: Lokaltherapie chronischer Wunden bei den Risiken CVI, PAVK und Diabetes mellitus

Präparateauswahl: Mehrlagenverbandsysteme
Mehrlagenverbandsysteme können die Kompression bis zu mehreren Tagen aufrecht erhalten. Kann eine ausreichende Tragezeit aufgrund der Notwendigkeit eines hochfrequenten Verbandwechsel nicht gewährleistet werden, kann die Verwendung von Mehrlagenkompressionssystemen als unwirtschaftlich und der Einsatz kostengünstiger Kurzzugbinden zur Kompression als ausreichend angesehen werden.