5. Besonderheiten bei der Therapie bei Schwangerschaft/Stillzeit/gebärfähiges Alter

Zur Akuttherapie von Migräne im ersten und zweiten Trimenon gelten Acetylsalicylsäure und Ibuprofen neben Paracetamol als Mittel der Wahl. Paracetamol kann während der gesamten Schwangerschaft gegeben werden, ist jedoch nur begrenzt wirksam in der Migränetherapie [1, 33]. Aus der Gruppe der Triptane kann Sumatriptan (oral) als Mittel der Wahl bei Migräneattacken in der Schwangerschaft eingesetzt werden [33]. Bislang gibt es keine epidemiologischen Hinweise, dass Triptane zu Fehlbildungen oder anderen Komplikationen in der Schwangerschaft führen. Die umfangreichsten Erfahrungen liegen für Sumatriptan vor. Bei Unwirksamkeit und dringlicher Behandlungsnotwendigkeit können auch andere Triptane verwendet werden [1].

Als mögliche Wirkstoffe in der Schwangerschaft zu Migräneprophylaxe gelten Amitriptylin sowie die Betablocker Metoprolol oder Propranolol, da hierfür umfangreiche Erfahrungen ohne Hinweise auf Teratogenität vorliegen. Topiramat ist zur Migräneprophylaxe in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert. Es muss abgesetzt werden, wenn die Patientin schwanger wird oder eine Schwangerschaft plant. Eine Verordnung für Patientinnen im gebärfähigen Alter ist nur unter Einhaltung des Schwangerschaftsverhütungsprogramm gemäß Fachinformation möglich. Diese sollen während der Behandlung und für mindestens 4 Wochen nach Beendigung der Behandlung mit Topiramat eine hochwirksame Verhütungsmethode anwenden. Auch Valproat darf Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter aufgrund des hohen teratogenen Potentials nur unter Einhaltung des Schwangerschaftsverhütungsprogramm gemäß Fachinformation verschrieben und abgegeben werden. Diesbezüglich informierte zu beiden Wirkstoffen jeweils auch ein Rote Handbrief [18, 20]. 
Darüber hinaus hat eine retrospektive Beobachtungsstudie in drei nordeuropäischen Ländern auf ein erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern (im Alter von 0 bis 11 Jahren) hingewiesen, deren Väter in den drei Monaten vor der Zeugung mit Valproat als Monotherapie behandelt wurden, im Vergleich zu Vätern, die mit Lamotrigin oder Levetiracetam als Monotherapie behandelt wurden. Männer sollen während der Anwendung von Valproat und für drei Monate nach Beendigung der Behandlung, eine zuverlässige Empfängnisverhütung für ihn und seine Partnerin anwenden [21]. Monoklonale Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor sowie Gepante dürfen während der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden. Während der Stillzeit kann der Einsatz von CRGP-Antikörper bei klinischer Notwendigkeit nach den ersten Tagen der Geburt in Betracht gezogen werden. Gepante gehen nur minimal in die Muttermilch über (unter 1 %). Rimegepant sollte laut Fachinformation aus Vorsichtsgründen nicht bei Stillenden eingesetzt werden, die Fachinformation von Atogepant verweist auf eine strenge Risikonutzenabwägung. Bei leichten Migräneattacken werden Ruhe und Reizabschirmung empfohlen. Bei Übelkeit und Erbrechen kann Metoclopramid während der gesamten Schwangerschaft eingesetzt werden [1]. Im Einzelfall finden sich zusätzliche Informationen bei https://www.embryotox.de/.