1. Einführung
Migräne ist mit einer Prävalenz von 20 % bei Frauen und 8 % bei Männern eine häufige Erkrankung. Sie stellt eine der häufigsten Kopfschmerzformen dar. Die 1-Jahres-Prävalenz der Migräne liegt zwischen 10 und 15 % [1]. Zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr ist die Prävalenz einer Migräne am höchsten. Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer [2]. Laut der „Global Burden of Disease Study“ [3, 4] ist die Migräne noch vor dem Schlaganfall die führende neurologische Ursache für verlorene Lebensjahre (gemessen als DALYs = Disability-Adjusted-Life-Years) und die häufigste Ursache für eine Behinderung bei unter 50-Jährigen [5]. Epidemiologische Studien legen für Deutschland eine Diskrepanz zwischen Bedarf und Therapie mit Migräneprophylaktika nahe. So betrug nach der epidemiologischen OVERCOME-Studie (EU) basierend auf den Daten von über 20.000 Erwachsenen in Deutschland und Spanien, der Anteil derer, die aufgrund Häufigkeit und Schwere der Migräne für eine Prophylaxe geeignet waren, 13,2 %, davon erhielten 73,9 % zum Zeitpunkt der Studie jedoch keine medikamentöse Prophylaxe [6].
Bei der Migräne kommt es zu Attacken heftiger, häufig einseitiger pulsierend-pochender Kopfschmerzen, die bei körperlicher Betätigung an Intensität zunehmen [1]. Fast immer sind die Attacken mit Appetitlosigkeit verbunden, Übelkeit liegt in 80 % der Fälle vor, Lichtscheu in 60 %. Auch Lärmempfindlichkeit, Erbrechen und Aversionen gegen bestimmte Gerüche können vorkommen. Pathophysiologische Grundlage der Migräne ist nach heutigem Verständnis maßgeblich eine neurovaskuläre Störung, die das Ganglion trigeminale involviert und im Rahmen derer es zu einer intrakraniellen Vasodilatation kommt, die vorrangig durch Freisetzung des Neuropeptids CGRP (Calcitonin Gene-related Peptide) vermittelt wird [2].
Der vorliegende Leitfaden gibt einen aktuellen Überblick für eine rationale Migränetherapie, inklusive der neuen und kostenintensiven Therapieoptionen, unter dem Aspekt des Wirtschaftlichkeitsgebots nach §12 SGB V.
Insbesondere sind hierbei die seit 2018 verfügbaren Antikörper gegen CGRP oder dessen Rezeptor zur Prophylaxebehandlung der Migräne zu nennen. Aufgrund der deutlich höheren Therapiekosten dieser Arzneimittel ist eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Abwägung in jedem Einzelfall unter Berücksichtigung bereits langjährig etablierter kostengünstiger Wirkstoffe notwendig. Die Verordnungszahlen von CGRP-Antagonisten steigen seit 2018 stetig an [2]. Darüber hinaus sind seit 2025 mit Atogepant und Rimegepant weitere kostenintensive Therapieoptionen aus der neuen Wirkstoffgruppe der Gepante verfügbar.