5. Besondere Patientengruppen

Kinder- und Jugendliche
Kinder und Jugendliche mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) weisen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung häufig bereits einen ausgedehnten intestinalen Befall sowie eine raschere Krankheitsprogression als Erwachsene auf. Entsprechend der Leitlinien sollte die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Verdacht auf eine CED durch spezialisierte Kinder- und Jugendgastroenterologen erfolgen. Insbesondere bei einem frühen Erkrankungsbeginn (< 6 Jahre) und atypischer klinischer Präsentation sollte differenzialdiagnostisch stets auch an einen primären Immundefekt gedacht werden. 
Bei der Behandlung von Kindern- und Jugendlichen stellen Wachstums- und Entwicklungsstörungen eine besondere Herausforderung dar, da sowohl das Längenwachstum als auch die Knochengesundheit beeinträchtigt sein können. Auch psychosoziale Belastungen sowie die strukturierte Transition in die Erwachsenenmedizin spielen eine wichtige Rolle. Aufgrund der komplexen medizinischen, ernährungsphysiologischen und psychosozialen Anforderungen sollte die Versorgung dieser Patientengruppe stets multidisziplinär erfolgen [3].

Schwangere- und Stillende
Der Einfluss chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) auf den Schwangerschaftsverlauf und die kindliche Gesundheit wurde in zahlreichen Studien untersucht. Insgesamt zeigen etwa 85 % der Schwangerschaften bei Frauen mit CED einen unkomplizierten Verlauf, während Fehlbildungen nur in etwa 1 % der Fälle auftreten. Auch das Risiko für Fehlgeburten ist im Allgemeinen nicht erhöht. Wichtig ist, dass eine Schwangerschaft idealerweise in einer Remissionsphase oder bei geringer Krankheitsaktivität geplant wird, da dies den Schwangerschaftsverlauf positiv beeinflusst. Aktivitätsphasen der Erkrankung zum Zeitpunkt der Empfängnis können mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen verbunden sein.
Bezüglich der medikamentösen Therapie kann gemäß den Empfehlungen der European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) und der AWMF-Leitlinien zum Morbus Crohn die übliche CED-Medikation mit Ausnahme von Methotrexat fortgeführt werden. Dabei gelten 5 ASA-Präparate wie Mesalazin und Sulfasalazin als intensiv untersucht und als gut verträglich. Auch Glucocorticoide können in allen Phasen der Schwangerschaft eingesetzt werden. Unter den Immunmodulatoren ist Azathioprin am besten untersucht und kann bei zwingender Indikation weitergeführt werden. TNF-α-Inhibitoren können bei Notwendigkeit ebenfalls eingesetzt werden, wobei ihre Anwendung in der zweiten Schwangerschaftshälfte nur in begründeten Einzelfällen erfolgen sollte. Die Datenlage zu Vedolizumab und Ustekinumab ist noch begrenzt; diese Medikamente sollten nur nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung und bei Versagen der Standardtherapien eingesetzt werden. Bei stabiler Remission unter Vedolizumab oder Ustekinumab kann eine Fortführung der Therapie laut Embryotox dennoch als vertretbar angesehen werden. Zu beachten ist, dass Methotrexat ein Teratogen ist und vor der Konzeption abgesetzt und umgestellt werden sollte. Da nach Anwendung von JAK-Inhibitoren im Tierversuch, Fehlbildungen beobachtet wurden und keine ausreichenden Erfahrungen beim Menschen vorliegen, sollte auch diese Wirkstoffgruppe bereits präkonzeptionell ab- und umgesetzt werden. Ähnliches gilt für Ozanimod. Akute Krankheitsschübe sollten auch während der Schwangerschaft konsequent behandelt werden, da aktive Entzündungen sowohl mütterliche als auch fetale Risiken erhöhen. Die Fortführung der CED-Medikation ist auch während der Stillzeit ratsam, da Corticosteroide, Thiopurine und Anti-TNF-α-Präparate nur in sehr geringen Mengen (<1 % der maternalen Plasmadosen) in die Muttermilch übergehen und als unbedenklich gelten. Auch hier sollte die Therapie individuell abgestimmt werden, um Mutter und Kind optimal zu schützen [10].