2 Krankheitsbilder

2.1 Morbus Crohn (ICD- Code K50.X)

Bei einem Morbus Crohn können alle Abschnitte des Gastrointestinaltrakts – vom Mund bis zum Anus – von der Entzündung betroffen sein. Charakteristisch ist ein diskontinuierlicher, segmentaler und transmuraler Befall der Darmschleimhaut. Da die Entzündung grundsätzlich alle Wandschichten des Darms befällt, besteht das Risiko einer Ausbreitung in angrenzende Strukturen und somit ein erhöhtes Risiko für Abszedierung oder auch Verbindungen des entzündeten Darms zu anderen Organen (Fisteln) [3].

Symptomatisch betrachtet ist das Fehlen von rektalem Blutabgang und/oder Tenesmen insgesamt als möglicher Hinweis auf die Vorlage eines Morbus Crohn zu werten. Als weitere richtungsweisende Symptome gelten Müdigkeit, Gewichtsverlust sowie Schmerzen im rechten Unterbauch.

CAVE: Patienten mit M. Crohn haben ein erhöhtes Risiko für kolorektale, aber auch für Dünndarm-
Adenokarzinome.

 

2.2 Colitis ulcerosa (ICD- Code K51.X)

Die Colitis ulcerosa ist durch eine kontinuierliche Entzündung der Mukosa im Rektum gekennzeichnet, die sich je nach Verlauf variabel nach proximal ausdehnen kann. In schweren Fällen kann auch das terminale Ileum betroffen sein. Bei Beteiligung des terminalen Ileums wird von 
einer Pancolitis bzw. einer Backwash-Ileitis gesprochen [4].

Leitsymptom ist die blutige Diarrhoe (>90%), oftmals verbunden mit Tenesmen (>70%) im linken Unterbauch. Häufig tritt zudem ein imperativer Stuhldrang auf.

CAVE: Sollte es bei Patienten mit langjähriger Colitis ulcerosa zur Entwicklung einer Kolonstriktur bzw. -stenose kommen, kann dies ein Hinweis auf das Vorliegen eines kolorektalen Karzinoms sein und bedarf einer Abklärung.

 

2.3 Mikroskopische Kolitis (ICD- Code K52.8)

Die mikroskopische Kolitis lässt sich in zwei Formen unterteilen: die kollagene und die lymphozytäre Kolitis. Das Hauptsymptom ist ein wässriger Durchfall, wobei in der Regel kein Gewichtsverlust auftritt. Da die Veränderungen bei dieser Erkrankung auf zellulärer Ebene stattfinden, kann die Koloskopie oft unauffällig sein. Zur Sicherung der Diagnose ist somit immer eine Stufenbiopsie notwendig [5].
 

2.4 Sonderform: Colitis indeterminata (ICD- Code K52.3)

Eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, die diagnostisch weder einer Colitis ulcerosa noch einem Morbus Crohn zu zuordnen ist. Ca. 10-15 % der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen können auch nach einer ausgiebigen Diagnostik zunächst keiner eindeutigen Entität zugeordnet werden [6].
 

2.5 Proktitis

Betroffen ist ausschließlich das Rektum. Zu Grunde liegen können vielfältige Ursachen, wie eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, venerische bzw. infektiöse Erreger, Bestrahlungen sowie mechanisch irritative Substanzen.
Aufgrund der unspezifischen Symptomatik wie Schmerzen, Brennen, Stuhldrang und Ausfluss ist eine umfangreiche Anamnese und Diagnostik bei der Diagnosestellung unerlässlich [7].