4 Therapie der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

4.1 Medikamentöse Therapie/Behandlungsziele

Ziele der Therapie sind eine Kontrolle der Krankheitsaktivität, Linderung von Beschwerden, die steroidfreie Remissionserhaltung und eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität.

Neben den klassischen entzündungshemmenden Medikamenten wie 5-Aminosalicylaten und Corticosteroiden stehen auch Immunmodulatoren und Biologika zur Verfügung. Ergänzend kommen individuell angepasste unterstützende Maßnahmen zum Einsatz. Dazu gehören insbesondere Ernährungsberatung, die Erkennung und Behandlung von Mangelzuständen, beispielsweise von Eisen-, Vitamin-B12- oder Vitamin-D-Mangel, sowie die Berücksichtigung psychosozialer Belastungen. Darüber hinaus sollten der Impfstatus regelmäßig überprüft und erforderliche Impfungen insbesondere vor bzw. unter immunsuppressiver Therapie berücksichtigt werden. Bei Morbus Crohn sollte zudem zur Nikotinkarenz motiviert werden. Bei komplizierten oder therapierefraktären Krankheitsverläufen kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein. [3,4]

 

4.2 Wirkstoffprofile

4.3 Therapieschema der Colitis ulcerosa

4.3.1 Behandlung des schweren bzw. fulminanten Schubs einer Colitis ulcerosa

4.3.2 Erläuterungen zu den einzelnen Wirkstoffklassen

  • 5-Aminosalicylsäure

Bei der Behandlung der unkomplizierten Colitis ulcerosa stellen die Wirkstoffe Mesalazin und Sulfasalazin den Grundpfeiler der konventionellen medikamentösen Therapie dar. Aufgrund ihres karzinomprotektiven Effektes werden sie auch als Langzeittherapie empfohlen. Angesichts des Nebenwirkungspotentials bei vergleichbarer Effektivität sollte Mesalazin gegenüber Sulfasalazin bevorzugt werden [4].

Je nach Lokalisation der Colitis ulcerosa stehen unterschiedliche Darreichungsformen zur Verfügung:

Proktitis: rektal
Linksseitenkolitis: rektal und oral
Ausgedehnte Colitis: rektal und oral

 

  • Glucocorticoide:

Bei einem unzureichenden Ansprechen auf die Induktionstherapie mit 5-Aminosalicylaten, besteht unabhängig vom Befallsmuster, die Indikation zur Steroidtherapie.
Neben dem Einsatz bei Therapieresistenz auf 5-Aminosalycilaten können Glucocorticoide auch bei akuten Schüben sowie schweren Schüben rektal verabreicht werden. Abhängig von Schweregrad und Ausdehnung kommt eine rektale Anwendung (Budesonid) oder systemische orale bzw. parenterale Anwendung (Prednisolon, Prednison) in Betracht. Die rektale Anwendung von Mesalazin soll der topischen Steroidgabe jedoch vorgezogen werden.
Ein schwer verlaufender Schub einer Colitis ulcerosa sollte mit einer systemischen Steroidtherapie behandelt werden. Eine Therapiedauer unter 3 Wochen ist mit einer erhöhten Rückfallquote assoziiert, weiter gelten Dosierungen unter 15 mg Prednisolon/Tag als ineffektiv.

Aufgrund ihrer Nebenwirkungen sollten Glucocorticoide nur kurzfristig eingesetzt werden. Wichtig ist, dass eine konsequente Dosisreduktion mit Absetzen innerhalb von 10-12 Wochen angestrebt wird [4].

Hinweise zu Budesonid: Nur rektale Darreichungsformen von Budesonid haben eine Zulassung zur Behandlung der Colitis ulcerosa. Eine Ausnahme stellt das Präparat Cortiment MMX Retardtablette dar, welches eine Zulassung zur Einleitung der Remission bei erwachsenen Patienten mit leichter bis mäßig schwerer Colitis ulcerosa hat, wenn die Behandlung mit 5-ASA nicht ausreicht.

 

  • Immunsuppressiva

Zu den etablierten immunsuppressiven Medikamenten bei Colitis ulcerosa gehört der Wirkstoff Azathioprin [4].

CAVE: die Effektivität einer Azathioprin-Therapie kann erst nach etwa 8-12 Wochen beurteilt werden.

 

  • Immunmodulatoren

Immunmodulatoren sind Medikamente, die die einzelnen entzündungsfördernden Botenstoffe im Zell-Zell-Kontakt der Abwehrzellen in die Darmschleimhaut verhindern.

Ziel dieser Medikamente ist es, möglichst nicht alle Abwehrzellen zu unterdrücken oder alle Botenstoffe zu hemmen, sondern durch die gesteuerte Blockade einzelner entzündungsfördernder Bausteine das Gleichgewicht der Darmabwehr wiederherzustellen [4].

Zugelassen für die Behandlung der Colitis ulcerosa sind aktuell folgende Immunmodulatoren [8]:

4.4 Therapie des Morbus Chron

4.4.1 Akuter Schub des Morbus Chron

4.4.2 Erläuterungen zu den einzelnen Wirkstoffklassen:

  • Glucocorticoide

Sowohl bei leichter als auch hoher Krankheitsaktivität erfolgt die initiale Schubtherapie mit zugelassenen Glucocorticoiden (Budesonid, Prednisolon, Prednison und Methylprednisolon). Der Einsatz von Rektalschäumen ist dabei nicht vorgesehen und stellt einen Off-Label-Use dar.

Die Standardtherapie für den leichten ileozökalen oder rechtsseitigen Kolonbefall bei Morbus Crohn ist Budesonid (9 mg/d). Ähnlich wie bei der Colitis ulcerosa ist der wiederholte Einsatz von Steroiden zu vermeiden [3].

CAVE: Glucocorticoide sind nicht zur Remissionserhaltung vorgesehen.

 

  • 5-Aminosalicylsäure

Auch orale Mesalazinpräparate haben teilweise eine Zulassung zur Behandlung des leichten Schubs des Morbus Crohn Die Studienlage zu 5-Aminosalicylaten bei der Remissionsinduktion ist inkonsistent. Da nur wenige Studien einen Effekt zeigen, der jedoch als nicht klinisch signifikant gewertet wird, wird Mesalazin in der aktuellen Leitlinie nicht mehr empfohlen [3].

Nur ein geringer Anteil der 5-Aminosalicylsäurepräparate hat eine Zulassung zur Behandlung des Morbus Crohn.

 

  • Immunsuppressiva

Zu den etablierten immunsuppressiven Medikamenten bei Morbus Crohn gehören die Wirkstoff Azathioprin (p.o) und Methotrexat (s.c) [3].

CAVE: die Effektivität einer Azathioprin-Therapie kann erst nach etwa 8-12 Wochen beurteilt werden.

 

  • Immunmodulatoren

Zugelassen für die Behandlung des Morbus Crohn sind folgende Immunmodultoren [8]:

4.5 Darreichungsformen

Die Therapie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen, erfordert eine gezielte Applikation der Wirkstoffe, um eine maximale Wirksamkeit bei minimalen Nebenwirkungen zu erreichen. Die Darreichungsformen richten sich dabei nach Lokalisation und Schweregrad der Erkrankung.
Orale Darreichungsformen, wie Tabletten, Kapseln oder Granulate, eignen sich insbesondere für die systemische Behandlung oder die Behandlung des Dünn- und Dickdarms. Spezielle Formulierungen, etwa magensaftresistente oder verzögert freisetzende Präparate, ermöglichen eine gezielte Wirkstofffreisetzung auch in tieferen Bereichen, wie dem Ileum oder Kolon.
Rektale Darreichungsformen, darunter Suppositorien, Schäume, Suspensionen oder Klysmen, kommen vor allem bei proktalen oder linksseitigen Kolonentzündungen zum Einsatz. Diese lokalen Applikationen erlauben eine hohe Konzentration des Wirkstoffs direkt an der Entzündungsstelle, wodurch systemische Nebenwirkungen reduziert werden. Aufgrund der vielfältigen Wirkweisen wird gebeten, bei der Auswahl eines Präparats immer auf den Zulassungsstatus zu achten [4].

4.6 Operative Maßnahmen

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kann ein chirurgischer Eingriff aus verschiedenen Gründen erforderlich werden. Dazu gehört beispielsweise, wenn Medikamente nicht mehr oder nicht ausreichend wirken. Auch die Diagnose einer Vorstufe von Darmkrebs oder eines bereits bestehenden Darmkrebses kann eine Operation notwendig machen. Weitere Gründe sind Komplikationen wie Stenosen, Fisteln, ein Darmverschluss (Ileus) oder ein toxisches Megakolon.
Die chirurgische Therapie erfolgt idealerweise durch eine erfahrenen Viszeralchirurgen. 
In der operativen CED-Therapie haben Neuerungen wie laparoskopische Operationsverfahren oder der Einsatz von Stammzellen deutliche Verbesserungen mit sich gebracht. Vorteile der minimal-invasiven Eingriffe sind eine verkürzte Liegedauer, eine schnellere Rekonvaleszenz und ein vermindertes Risiko für Briden – und Hernienbildung [3,4].

4.7 Exkurs: Eisenmangel und Eisenmangelanämien

Mit einer Prävalenz von 6-74% ist eine Anämie die häufigste CED-assoziierte systemische Komplikation und extraintestinale Manifestation. Als häufigste Ursache gilt ein Eisenmangel.
Wird eine Anämie nachgewiesen, sollte die Notwendigkeit einer Therapieintensivierung der Grunderkrankung überprüft werden und bei nachgewiesener Eisenmangelanämie eine Eisensubstitution eingeleitet werden. Ein Ferritinwert < 30 µg/l bei normwertigem CRP-Wert bzw. 100 µg/l bei erhöhtem CRP-Wert oder eine Transferrinsättigung <20% stehen diesbezüglich diagnostisch für einen Eisenmangel [3,4].

4.8 Exkurs: Ernährungstherapie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Eine krankheitsbedingte Mangelernährung ist nicht selten und lässt sich sowohl im akuten Schub als auch in der Remissionsphase beobachten. Sie tritt bei Morbus Crohn häufiger als bei der Colitis ulcerosa auf. Ursächlich sind etwa eine verminderte orale Aufnahme, ein erhöhter Energiebedarf sowie Resorptionsstörungen im Rahmen der Entzündung und in Folge chirurgischer Resektionen. Bei Mangelernährung kommt es häufiger zu Exazerbationen, zu mehr Hospitalisierungen und einem erhöhten Infektrisiko. Sie sollte daher frühzeitig diagnostiziert und entsprechend der ernährungstherapeutischen Stufentherapie mit Ernährungsberatung sowie enteraler und parenteraler Ernährung behandelt werden.

In pädiatrischen Studien zeigte die exklusive enterale Ernährung (EEN) eine mit Corticosteroiden vergleichbare Wirkung auf die klinische Krankheitsaktivität. Hinsichtlich der mukosalen Regeneration ist die EEN den Corticosteroiden sogar überlegen. EEN gilt daher heute als Erstlinientherapie bei pädiatrischen Morbus Crohn Patienten mit Remissionsraten von bis zu 80%.

Die Crohn´s Disease Exclusion Diet (CDED) erlaubt initial den Verzehr von 14 Lebensmitteln kombiniert mit einer teilenteralen Ernährung [9].