3 Indikationsstellung

3.1 Diagnose und Differentialdiagnose

3.1.1 Anamnese/Klinik

Die Anamnese sollte eine detaillierte Erfragung über Art und Beginn der Symptome, eine kürzliche Reiseanamnese, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Kontakte mit infektiösen Durchfallerkrankungen, Impfstatus, Raucheranamnese, Familienanamnese und die Medikamentenanamnese umfassen. Weiterhin sollte die Anamnese, Fragen bezüglich extraintestinaler Manifestationen (Mund, Haut, Augen und/oder Gelenke) sowie nach perianalen Abszessen, Fisteln und Analfissuren beinhalten [3,4].

CAVE: Die Differenzierung infektiöser Colitiden vor der Erstmanifestation einer CED kann schwierig sein. Bei der Erstdiagnostik sind zur Abgrenzung und zur Diagnostik Stuhluntersuchungen hilfreich. Dabei sollte zusätzlich auf die häufigsten Erreger untersucht werden.

 

3.1.2 Labordiagnostik

Die initiale Labordiagnostik wird neben dem Blutbild mindestens folgende Parameter berücksichtigen: Entzündungsstatus, Eisenhaushalt, Nierenfunktion, Transaminasen und Cholestaseparameter. Für die begleitende laborchemische Diagnostik eines Ansprechens auf die Therapie können der CRP und/oder fäkale Neutrophilenmarker (z.B. Calprotectin) als Verlaufsparameter herangezogen werden [3,4].

Hinweise die das C-reaktives Protein liefert:
Insgesamt korreliert das CRP mit der Ausdehnung der Erkrankung sowie schwach mit der klinischen Aktivität. Eine Ausnahme stellt die ulceröse Proktitis dar, bei der in der Regel keine auffälligen Laborwerte zu erwarten sind. Auch gilt zu beachten, dass der CRP-Anstieg bei Colitis ulcerosa geringer ausfällt als bei Patienten mit Morbus Crohn.
Hinweise die der Neutrophilenmarker Calprotectin liefert:
Calprotectin ist ein Neutrophilenprotein, dass im Falle einer intestinalen Entzündung im Stuhl ausgeschieden wird. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass das fäkale Calprotectin als Marker für die Früherkennung von Rezidiven mit hoher Sensitivität und Spezifität vor Auftreten einer klinischen Symptomatik herangezogen werden kann. Bei Vorlage einer milden Colitis ulcerosa oder einer reinen Proktitis sind die fäkalen Inflammationsparameter wie Calprotectin sehr viel sensitiver als das CRP und eignen sich bei allen Befallmustern zur Verlaufskontrolle.

 

3.1.3 Sonographie

Die hochauflösende abdominelle Sonographie sollte Bestandteil der Diagnostik bei der Erstdiagnose und in der Verlaufsdiagnostik sowie beim schweren akuten Schub zur Erfassung von Komplikationen sein. Die Sonographie kann mit einer Sensitivität von 90% Entzündungen im Bereich des Dickdarms detektieren. Die Sonographie hat den Vorteil, preiswert und nicht invasiv zu sein. In der Hand des geübten Untersuchenden kann sowohl die Aktivität der Erkrankung als auch die Krankheitsausdehnung zuverlässig bestimmt werden [3,4].
 

3.1.4 Histologie

Bei der initialen Diagnosestellung sollten stets Stufenbiopsate aus allen Abschnitten des Dickdarms (einschließlich des Rektums) und auch aus dem terminalen Ileum entnommen werden. [Die histopathologische Diagnose einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung stützt sich auf die Evaluierung von Schleimhautarchitektur und Zellgehalt im Schleimhautstroma. 
Neutrophile Granulozyten im Stroma wie im Epithel sind ein Anzeichen für eine entzündliche Aktivität, ebenso Erosionen und Ulcera [3,4].
 

3.1.5 Endoskopie

Die Endoskopie gilt als Goldstandard in der Initialdiagnostik chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED). Darüber hinaus sollte eine Endoskopie auch bei neu auftretenden Beschwerden oder Verdacht auf einen Krankheitsschub durchgeführt werden, um Ausdehnung und Aktivität der Entzündung zu beurteilen.

Im Rahmen der Untersuchung lassen sich entzündliche Veränderungen des Dickdarms sowie des terminalen Ileums erfassen. Die endoskopische Beurteilung ist jedoch auf diesen Bereich begrenzt, sodass zur Diagnostik eines möglichen Dünndarmbefalls – insbesondere bei Verdacht auf Morbus Crohn – zusätzliche Verfahren wie die MRT-Enterographie, Kapselendoskopie oder Sonographie erforderlich sein können.

Bereits anhand der endoskopischen Morphologie kann häufig zwischen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn differenziert werden. Während die Colitis ulcerosa typischerweise eine kontinuierliche, vom Rektum ausgehende mukosale Entzündung zeigt, imponiert der Morbus Crohn meist durch segmentale („skip lesions“) und transmurale Entzündungsmuster [3,4].

Im langfristigen Verlauf sind regelmäßige Darmspiegelungen auch bei beschwerdefreien CED-Patienten zur Vorsorge gegen Darmkrebs wichtig.

 

3.1.6 Radiologie

Die Magnetresonanz-Enterographie ist eine nicht-invasive Untersuchungsform des Darms, mit der sich neben der Darmwand auch extraluminale Veränderungen und Strukturen sowie die übrigen abdominellen Organe darstellen lassen. Sie spielt v.a. für die initiale Ausbreitungsdiagnostik sowie bei der Fistel- und Abszessdarstellung eine wichtige Rolle [3,4].